Kontaktdermatoskopie und polarisiertes Licht

Dermatoskopie-Wissen für die Diagnostik

 

Die Dermatoskopie wird weltweit als nicht-invasives Untersuchungs-Verfahren für Hautkrebs verwendet, da es die Sensitivität und Spezifität im Vergleich zur Untersuchung mit bloßem Auge deutlich erhöht. Die Dermatoskopie wird auch als Auflichtmikroskopie bezeichnet.

Um unterschiedliche Hautstrukturen für die Diagnostik sichtbar zu machen, können Dermatoskope im Kontakt- oder kontaktlosen Modus sowie mit polarisiertem oder nicht polarisiertem Licht eingesetzt werden.

Grundsätzlich gibt es drei Untersuchungsmodi mit dem Dermatoskop:

  • Unpolarisierte Kontaktdermatoskopie (non-polarised dermoscopy)
  • Polarisierte Kontaktdermatoskopie (polarised dermoscopy)
  • Polarisierte kontaktlose Dermatoskopie

Die Anwendung und der Wechsel der Untersuchungsmodi kann für den Arzt bei der Differentialdiagnostik hilfreich sein.

Unpolarisierte Kontaktdermatoskopie

Bei der unpolarisierten Kontaktdermatoskopie (non-polarised dermoscopy) liegt das Instrument zur Untersuchung direkt auf der Haut auf. Damit das Licht durch das Stratum corneum dringt und auch tiefere Hautschichten beurteilt werden können, wird eine Kontaktflüssigkeit benötigt. 

Ein Dermatoskop besteht im einfachsten Fall aus einer fokussierbaren Vergrößerungsoptik, einer Beleuchtung und einer durchsichtigen Kontaktscheibe. Da normalerweise ein Großteil des Lichts, das auf die Haut trifft, reflektiert wird, verwendet man eine Kontaktscheibe (eine Glasplatte). So verringert sich die Menge des reflektierten Lichts deutlich. 

Wird zusätzlich eine (Kontakt-)Flüssigkeit auf die zu untersuchende Hautläsion aufgetragen, erscheint das Stratum corneum quasi durchsichtig, was die Beurteilung weiterer Hautschichten ermöglicht. Dem Betrachter eröffnen sich beim Blick durch die Vergrößerungsoptik so Details, die dem bloßen Auge nicht zugänglich sind.

  • Bei der nicht-polarisierten Kontaktdermatoskopie ist die Verwendung einer Kontaktflüssigkeit unbedingt erforderlich. Die Kontaktscheibe befindet sich dabei am Instrument.

Aufnahme mit nicht-polarisiertem Licht

Als Kontaktflüssigkeit kann je nach Spezifikation des Produkts zum Beispiel Desinfektionsmittel, Immersions-Öl oder Ultraschallgel dienen.

  • Vorteile der Anwendung von Desinfektionsmitteln sind die gleichzeitige mikrobiozide Wirkung und die schnelle Handhabung. Zu beachten ist jedoch bei einigen Dermatoskopen, dass das Desinfektionsmittel nicht direkt auf die Kontaktscheibe aufgesprüht ist, sondern nur auf die Haut des Patienten appliziert werden sollte.
  • Das Auftragen von Immersionsöl bietet aufgrund der Viskosität des Öls eine sehr klare und deutliche Bildgebung. 
  • Ultraschallgel besitzt Vorteile bei der Beurteilung von Gefäßstrukturen, da hier fast kein Druck auf die Haut notwendig ist. Die Kontaktscheibe gleitet förmlich auf dem Gel. Zusätzlich können Unebenheiten, wie bei der Untersuchung der Nagelfalz oder der Nagelplatte, durch das Gel ausgeglichen werden.

Nach der Untersuchung muss die Kontaktscheibe immer mit einem Desinfektionstuch abgewischt werden.

Einige Dermatoskope werden auch mit kleiner Kontaktscheibe angeboten. Diese hat den Vorteil, dass auch schwer zugängliche Strukturen wie z.B. der Zwischenzehenraum gut beurteilt werden können. Alternativ kann hier natürlich auch ein kontaktloses, polarisiertes Dermatoskop (oder ein entsprechender Modus) verwendet werden. 

Polarisierte Kontaktdermatoskopie

Im polarisierten Modus (polarisierte Dermatoskopie) wird das an der Hautoberfläche reflektierte Licht durch einen (Polarisations-)filter ausgeblendet. So lassen sich tieferliegende Strukturen der Epidermis besser sichtbar machen.

  • Das Instrument liegt mit aufgesetzter Kontaktscheibe auf der Haut auf. Im polarisierten Kontakt-Modus wird eine Flüssigkeit nicht zwingend benötigt.  

Generell wird bei der Kontaktdermatoskopie – unpolarisiert oder polarisiert – Druck auf die zu untersuchende Hautstelle ausgeübt. Das kann einerseits dazu führen, dass die Hautgeometrie der untersuchten Stellen verzerrt dargestellt wird. Andererseits wird auch punktuell die Durchblutung reduziert, was die Erkennung kleiner Gefäßstrukturen – zum Beispiel im Falle eines Basalzellkarzinoms - erschwert. Als weiterer Untersuchungsmodus kommt deshalb kontaktlose Dermatoskopie zum Einsatz: 

Aufnahme mit nicht-polarisiertem Licht

Aufnahme mit polarisiertem Licht

Polarisierte kontaktlose Dermatoskopie

Mit polarisierter Beleuchtung kann auch im kontaktlosen Modus dermatoskopiert werden. Dazu wird die Kontaktscheibe des Dermatoskops abgenommen und Hautareale können aus kurzer Entfernung untersucht werden. 

Darüber hinaus eignet sich dieser Modus besonders für die Untersuchung infizierter Bereiche und von für den Patienten schmerzhaften Läsionen, denn durch die kontaktlose Untersuchung findet kein Druck auf die zu dermatoskopierenden Hautareale statt. 

  • Für diesen Untersuchungsmodus wird die Kontaktscheibe des Instruments abgenommen. Eine Kontaktflüssigkeit ist hier nicht nötig und nicht möglich. 

Wechsel von polarisiertem zu nicht-polarisiertem Licht

Der Wechsel von polarisierter und nicht-polarisierter Beleuchtung unterstützt also eine differenzierte Beurteilung und Befundstellung. Beim HEINE DELTA 30 oder DELTAone beispielsweise, kann einfach von einem in den anderen Modus geschaltet werden (Toggle-Funktion). Ein Wechsel der Kontaktscheibe ist dabei nicht nötig. Die Polarisationsbeleuchtung steht automatisch beim Einschalten des Gerätes zur Verfügung.

Beispiel: Melanom

Aufnahme mit nicht-polarisiertem Licht

Aufnahme mit polarisiertem Licht

Differentialdiagnostik mit polarisiertem und nicht-polarisiertem Licht

Moderne Dermatoskope erlauben den Wechsel zwischen polarisiertem und nicht-polarisiertem Lichtmodus. Die beiden Beleuchtungsarten visualisieren unterschiedliche Hautstrukturen und bieten dem Arzt dadurch weitere Informationen – je nach Fragestellung.

Abhängig von der Lage in der Haut sind einige Strukturen besser mit Polarisation, andere besser ohne Polarisation zu erkennen.

Welche Strukturen der Haut sind mit unpolarisierter bzw. polarisierter Dermatoskopie im Kontaktmodus besser darstellbar?

Unpolarisierte Kontaktdermatoskopie Polarisierte Kontaktdermatoskopie
Oberflächliche Strukturen (oberflächliche Epidermis bis dermo-epidermale Junktionszone). Tiefer gelegene Strukturen z. B. auf Höhe der dermo-epidermalen Junktionszone (DEJ) oder der oberen Dermis.
Oberflächliche weißliche Strukturen einer Orthokeratose. Kristalline Strukturen und rosettenförmige Gebilde in den Hautläsionen als sog. „shiny white structures“, die mit mehr Kollagen assoziiert und somit tiefer lokalisiert sind. 
Dies ist häufig bei der Diagnostik von Basalzellkarzinomen der Fall.
Blau-weiße Strukturen in einer Regressionszone eines malignen Melanoms. In pigmentierten Läsionen mit Melanin an der dermo-epidermalen Junktionszone oder in der Dermis (junktionale oder blaue Nävi) zeigen sich hier häufig etwas dunklere Schattierungen von schwarzen und braunen Tönen sowie gelegentlich eine größere Variabilität des Pigmentmusters.
Hornpseudozysten oder pseudofollikuläre Öffnungen bei einer seborrhoischen Keratose. Gefäßmuster und vaskuläre Rötungen (da die Gefäße in der Dermis liegen und ohne Druckeffekt gearbeitet werden kann). 
Dies kann bei der Diagnostik von amelanotischen oder strukturarmen Melanomen hilfreich sein.

 

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